der Weinkeller – Riesling Auslese 2007 vom Weinhof Scheu in der Pfalz

Der alte Grenzgänger – Verkostung Riesling Auslese 2007 vom Weinhof Scheu in der Pfalz

Die erste Wahl wäre eigentlich ein Saar-Riesling von Van Vollem gewesen. Nach dem Öffnen und der Nasenprobe ging der aber direkt in die Kochecke über.

goldgelber Riesling

goldgelber Riesling

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Meine zweite Wahl ist ein Riesling Spätlese aus der Pfalz. Die zweite Wahl sage ich, weil ich einen solchen Wein von einem meiner Lieblingswinzer eigentlich nur zu besonderen Anlässen aufmache und nicht am Freitagabend zur Zigarre.
Ich habe das Weingut Scheu vor über 10 Jahren einmal durch private Kontakte kennen und schätzen gelernt. Es war anlässlich eines schönen privaten Weinfestes auf dem Hof mit Lagerfeuer und großen Schorlegläsern inmitten von Weinbaugerätschaften unter großen Walnussbäumen. Die pure Freude am Wein und am Feiern.

Der Weinbauhof Scheu, betrieben von Vater Günther und Sohn Klaus liegt im Pfälzer Grenzgebiet zu Frankreich. Man betreibt eigene Weinberge hüben wie drüben. Wie in der Region üblich werden sowohl Rot als auch Weißweine hergestellt. Die Weißweine entstehen aus Riesling, Weißburgunder und Grauem Burgunder, Scheurebe und Müller Thurgau. Der Rote ist Spätburgunder und das Cuvée aus Pinot und Cabernet.
Scheu reduziert seine Erträge aus Qualitätsgründen auf ca. 45 hl je Hektar und das schmeckt man im Glas.

Die Scheu`s haben, bei allem Hang zum trockenen Ausbau mit viel Mineralität einen deutlichen Hang zu Süßweinen, mein Keller ist Probe voll davon. Man findet im Scheu Sortiment ganz tolle Beerenauslesen sowie TBA’s aus besonderen Jahrgängen und vereinzelt auch Eisweine. Und so kommen bei vielen ihrer Weine Noten von Süße in die Flasche. Beobachtet man den Trend, tendieren ja mache Winzer bereits häufiger zu halbtrockenen Weinen, um den Zucker nicht in Gänze dem Alkohol zuführen zu müssen. Lieber einen nicht so super trockenen Wein und dafür ein Glas mehr ist da eher meine Devise. Die warmen und regenreichen Sommer der letzten Jahre hinterlassen auch seine Spuren an den Weinbergen und dem Ergebnis der Keller.

 

Der hier getrunkene Riesling Spätlese aus 2007 hat eine sonnige goldgelbe Farbe.

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Die Nase ist leicht mineralisch mit einer sanften Hefenote. Die typische Altersnase des Riesling ist schon zu erkennen, Noten von Herbstlaub und Unterholz. Ein deutliche Kieselnote breitet sich im Gaumen aus und hält sich lange. Er läuft schön am Glasrand mit öligem Anschein ohne wirkliche Nasen zu bilden -wo sollen die auch bei dem Alkoholgehalt herkommen.
2007 war ein sehr warmer, ertragreicher Spitzenjahrgang, der hervorragende, lagerfähige Weine in allen Qualitäten hervorgebracht hat. Rieslinge brachten Süßen von 85°, mache auch 95° bis 100° Oechsle auf die Welt. Die Weine waren vielschichtig mit mineralischen Noten. Mein Wein ist erfrischend vollmundig im Mund mit einer nicht sehr kräftigen aber vorhandenen ausgewogener Säure. Noten von Boskop Apfel mit sanfter Säure und Biss von harter Birne. Stachelbeere. Hält sich lange im Mund mit kurzem, knackigem Abgang. Zarte buttrige Töne am Gaumen, die leicht an Chablis erinnern.

Der erfreuliche und trinkentspannte, für heutige Verhältnisse eher ungewöhnliche  Alkoholgehalt von NUR 8,5% Alc. Vol. lässt einen hiervon auch mal ein ganzes Fläschchen schaffen. Leichte Weißeine sind ja mittlerweile eher schwer zu finden. Ich persönlich habe ja mit diesen alkoholbetonten Geschmacksbomben, die fast nur noch frisch getrunken werden können so meine Probleme im täglichen Umgang.

Der Wein ist natürlich ausverkauft und nicht mehr erhältlich. Schade für jeden, der keinen bekommen hat. Scheu versendet übrigens auch zu günstigen Preisen. Wobei ich immer vorbei fahren würde. Das Gute liegt oft so nah.

Scheu Riesling Spätlese 2007 vorne

Scheu Riesling Spätlese 2007 vorne

Scheu Riesling Spätlese 2007 vorne

Scheu Riesling Spätlese 2007 vorne

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Riesling Spätlese 2007
Qualitätswein mit Prädikat
0,75l, grüne Flasche mit Glaskorken
Gutsabfüllung, Alc. 8,5% by Vol.
Weinhof Scheu
Hauptstraße 33, D-76889 Schweigen-Rechtenbach

Orangincello

Orangincello oder wie man Orangenlikör selber macht

Orangincello Orangenlikör

Schon mal Linoncello getrunken? – Göttlich. Mein kleiner Bruder hat mir kürzlich noch eine Flasche geschenkt, weil er weiß, wie ich dieses Zeugs liebe.
In Italien werden dafür reife Zitronen mit Schnaps aufgesetzt . Das ist mal lecker. Ungefähr so, wie der aufgesetzte Schnaps von Omma. Da waren im billigen Korn halt Beeren aus dem Garten und viel Zucker drin. Sollte ja lecker sein und knallen.
Die kleine Schwester von Limoncello ist Orangincello, so nenne ich ihn, meinen super leckeren selbstgemachten Orangenlikör.

Zur Weihnachtszeit gibts also Orangenlikörchen, damit einem warm ums Herz wird und man zu lächeln beginnt, wenn der zweite süße Schnaps durch die Kehle rinnt.

Der Orangincello ist auch eigentlich ganz einfach zu machen. Wir benötigen drei Bio-Orangen. Diese sollten umgespritzt sein oder man wäscht sie halt sehr gut ab. Für die Süße sind ¼ l Zuckersirup angesagt. Hierfür einfach 125 gr Zucker mit 125 ml Wasser aufkochen und 10 Minuten kochen lassen, abkühlen. Als Gewürz wird ein wenig Sternanis und zwei Nelken benötigt. Und natürliche Alkohol. Ich verwende einen guten Brandy dafür. Es sollte kein billiger Fusel sein, man schmeckt den Alkohol später schon deutlich durch.

Zur Zubereitung benötigt man dann ein großes, fest verschließbares Glas. Die Orangen werden gut unter heißem Wasser abgespült und geviertelt. Die Viertel werden in dünne Scheiben geschnitten und ins Glas geschichtet. Gewürze dazu. Den abgekühlten Zuckersirup dazu und mit dem Alkohol übergießen. Deckel drauf und an was anderes denken.
Das ganze muss jetzt 3-4 Wochen an einem warmen Platz stehen und durchziehen. Es freut sich auch über gelegentliche Beachtung durch schütteln, damit sich die Aromen verteilen können.
Nach der unendlich langen Wartezeit wird der Likör dann erst durch ein Haarsieb und dann durch ein Teesieb gefiltert und in eine schöne Karaffe gefüllt. Wie lange sie dort verweilen darf liegt an euch.

In diesem Sinne.

der Weinkeller: Tenuta Al’brizzi Salento rosso

Weinbesprechung – Tenuta Al’brizzi Salento rosso 2010

Ich stelle heute einen Rotwein aus dem Salento vor. Das Salento ist der Absatz im äußersten Südosten des italienischen Stiefels. Der Wein kommt aus der Cantine Due Palme in Apulien, einer landwirtschaftlichen Kooperative in Cellino San Marco bei Brindisi.

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Der Wein ist aus Cabernet Sauvignon und Primitivo gekeltert. Seine tiefrote Farbe und der Geruch nach schwarzen Johannisbeeren stammen vom Cabernet Sauvignon. Die Würze kommt von der Zinfandel-Traube, die ihm auch sein würziges, an Zimt, Nelken, schwarzen Pfeffer und dunkle Waldfrüchte erinnerndes Aroma gibt.
Zinfandel, in Italien auch Primitivo genannt, ist wohl auch für seinen hohen Alkoholgehalt von 13,5 % verantwortlich. Ausgebaut ist der Wein in Barrique-Fässern aus Allier- und Troncais-Eiche.
Er hat eine reife Frucht im Bukett. Die dunklen Früchte sind füllig im Mund und hinterlassen reife Aromen mit einem leicht süßlichen Abgang. Man schmeckt auch feinherbe Kirschen und Waldbeeren die eine lang anhaltende Säure mit sich bringen.
Nach dem ersten Eindruck der flachen Nase, ist der Wein doch vielschichtig. Rund und harmonisch im Mund mit gut eingebundenem Tannin.
Ein Wein mit Finesse und durchaus eigenem Charakter, nicht zu glatt und geschliffen. Macht durchaus Spaß beim Trinken wenngleich die Süffigkeit fehlt !
Ideal zu würzigen Nudelgerichten, gebratenem Fleisch und Edelpilzkäse.

Ich hatte den Wein zu einem Omelett mit Kirschtomaten in Gorgonzolasauce.

Kalt erwischt

Kalt erwischt – Robert Weil Riesling Trocken, 2008 Kiedrich Turmberg

Wein Tasting Robert Weil, 2008 Kiedrich Turmberg, Riesling Trocken, only Sansibar

Er war anfangs erst ein wenig schwierig, weil nicht kalt genug, starke Säure, bauchig und etwas muffig. Jetzt wird er deutlich kompakter mit Paprikanoten etwas Marille, grüner Apfel und deutlicher wachsender Mineralität, die Säure wird etwas runder … ist ok … 😉
Schwierig zum Essen, vielleicht als Aperitif, dann aber sehr kalt. Passt nach einem Sorbet.

wenn noch was übrig bleiben sollte, bin ich gespannt, wie er sich bis morgen entwickelt hat.

Nachtrag:
Die Nacht hat dem Riesling gut getan. Es ist etwas oxidiert und runder geworden. Die Nase ist jetzt viel spannender, er kann jetzt auch etwas Temperatur bekommen. Die Aromen sind erhalten geblieben, vielleicht leichte Grasnoten dazu. Leider war ja nicht mehr viel in der Flasche. Und ich habe keinen mehr.