Die französische Serie – Le pique-nique

“Le picnic” oder wie die Franzosen über Land reisen

Wer sich auf Reisen begib, kennt dieses gleichwohl beunruhigende wie auch die Neugier beflügelnde Gefühl: “was ist denn das hier …” oder auch “was machen die denn da…?”. Und genau das fragte ich mich, als ich mal wieder durch Frankreich unterwegs war. Ich bin dann hier und da, fahre über Land und durch Wälder, Orte und Dörfer oder das was davon übrig geblieben ist. Ich muss überall schauen, riechen, probieren und alles hinterfragen. Es ist weißgott nicht meine erste Frankreichreise aber erst jetzt fiel mir eine Sache ins Auge, die ich zuvor nie beachtet hatte:  – überall sieht man Franzosen, die sich zum Picknick irgendwo niedergelassen haben.

Aufgefallen ist es mir auf einem Tankstop. Auf dem Weg zur Autobahn passiere ich mehrere französische Autos mit offener Kofferraumklappe oder geöffneten Türen. Gläser oder Pappbecher in der einen und einem Baguette in der anderen Hand. Obligatorisch ist die Flasche Rotwein dabei.
Darauf aufmerksam geworden, sehe ich auf meiner Fahrt jetzt überall rastende Franzosen. Überall, an den normalsten und überraschendsten Plätzen und Orten stehen Tische mit Bänken, meist aus maßivem Holz oder Beton gefertig. An Autobahnen, Nationalstraße, Landstraße und in Ortschaften sieht man Schilder, die mit dem Begriff “Aire de …” auf einen Rastplatz hinweisen. Schöne und weniger schöne Ort locken die Franzosen um die Mittagszeit, einfach anzuhalten, zu essen und zu trinken. Pause machen – zum Essen.
Am schönsten sind natürlich die Aire in den Waldlichtungen am Teich. Denn Franzosen sind ja Genießer und machen es sich gerne schön.
Picknick Tisch am Teich

 

 

 

 

 

Eine für den Deutschen ungewöhnliche Tradition, sich für das Essen Zeit zu nehmen.
Ich bin ob dieser konsequenten und traditionsreichen Nahrungsaufnahme begeistert.
Statt wie bisher, um die Mittagszeit nichts zu essen, Fastfood habe ich schon seit Jahren konsequent von meinem Speisenplan gestrichen, eigne ich mir diese nette Mentalität, wenn auch nur im Urlaub gerne an und kaufe gegen Mittag ein frisches Baguette, eine Salami sowie ein wenig aufgeschnittenen Schinken und suche mir ein lauschiges Plätzchen für die Mittagspause.

Rotisseur mit Grillhähnchen

Rotisseur mit Grillhähnchen

Besser noch, und das ist dann eher was für den  erfahrenen Frankreichreisenden, geht man zu einem Rotisseur auf einem der Dorfmärkten, die man überall findet. Dort kauft man ein frisches Grillhähnchen oder eine knusprige Wachtel vom Grill mit etwas von diesem köstlichen im Tropffett gegarten Gemüse.  Der geübte Frankreichreisende führt zum pique-nique eh mindestens drei Opinel Messer mit sich um das Essen in mundgerechte Stücke zu teilen.

Man sollte sich auch nicht wundern, wenn man in Ortschaften und in Seitenstraße oder einfach am Straßenrand Menschen zur Mittagszeit in Wohnwagen oder Caravans sitzen sieht, die bei einer Flasche Wein glücklich in das Ende eines halben belegten Baguette beißen.

Das ist Lebenskunst über die man mal nachdenken sollte. In diesem Sinne.

Übrigens: In einer kleinen Brasserie in Margaux fand ich auf der Tageskarte Tornedo Rossini und Entrecote mit Bratkartoffeln. Tarte Tartin und Creme Brulee zum Dessert. Wohlgemerkt eine Brasserie mit vier Tischen, die von Erntehelfern der Weinberge besucht wird. Mahlzeit.

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