Überleben, Herr Spueri!

Überleben, Herr Spueri! oder ganz fieser “Ofenkäse” von Rougette

Wie wir wissen, ist Käsefondue das Nationalessen der Schweizer – und das ist es nicht ohne Grund. Käse und Brot sind Grundnahrungsmittel, die früher in den abgeschiedenen Regionen der Schweiz selber hergestellt werden konnten. Gut kombiniert wie beim Käsefondues, mit Knoblauch und Kirschwasser wärmt und sättigt es den hungrigen Menschen, oder sagen wir doch lieber Genießer – auch heute noch. Der Schweizer Käse ist so beliebt, weil er so vielfältig im Geschmack ist.

Wer weiß eigentlich noch, warum Käse so schmeckt, wie er schmeckt? Genau, – Käse wird wirklich aus frischer Milch gemacht, sollte er jedenfalls, oder besser gesagt, man sollte nur Käse essen, der aus Milch hergestellt wird. Und wenn wir dann ein wenig weiter denken, … auch wenn es manchem nicht ganz klar ist, … die Milch kommt von der Kuh … und schmeckt nach dem, wovon die Kuh sich ernährt. Das gilt natürlich nicht nur für schweizer sondern auch für französische Milch, und italienische und, und, und.

Aber bleiben wir erstmal beim schweizer Käse. Die Kühe grasen in den schweizer Käsegegenden im Emmental, im Appenzell oder in der Grafschaft Greyerz auf Wiesen, die meist in den Bergen liegen. Je höher diese Wiesen liegen, desto höher ist der Anteil an Blumen und Kräutern, und das gibt einen anderen Geschmack als die Stallfütterung in der Massentierhaltung. Und – die Schweizer machen Ihren besten Käse auch aus Rohmilch, also aus unbehandelter Milch, genauso wie die Franzosen. Die haben vor ein paar Jahren doch tatsächlich die EU überlistet, indem sie den illegal erzeugten Rohmilchkäse der kleinen Käsereien kauften und die industriell produzierten Käse verschmähten – das führte dazu, dass zwei der größten industriellen Käsereien Frankreichs schließen mussten und die EU den Franzosen ein Ausnahmegenehmigung erteilten. Ein großer Sieg für den Genuss – das weiß jeder, der schon einmal im Frühling in der Normandie einen guten Camembert probiert hat. Man kann die frischen Wiesen förmlich riechen und schmecken – ein Hochgenuss!

Was man allerdings nicht von so genanntem Ofenkäse des Herstellers xyz behaupten kann. Das ist echt fieses Zeugs! Ofenkäse liegt für viel Geld im Kühlregal rum und besteht zu mindestens 60% aus Fett, Geschmacksverstärkern, Farbstoffen und was weiß ich. Sowas nennt man dann Kunstkäse oder Analogkäse, wobei das Milchfett und das Milcheiweiß durch solches anderer Herkunft ersetzt wird. Wie soll sowas schmecken?

Ein unverzeihlicher Test eines solchen Produktes lies mich schier verzweifeln. Der Versuch, einen solchen Analogkäse entsprechend dem Serviervorschlag “zuzubereiten”, ging völlig in die Hose. Das lag jetzt weniger an meinem Fähigkeiten der Zubereitung, sondern eher an den  Ausgangsprodukten dieser “Ofenkäse” genannten Käsezubereitung. Im Ergebnis kann ich von einer glibberigen, geschmacksneutralen Masse berichten, die selbst unter dem Grill weder seine Konsistenz noch seine Farbe ändern wollte. Er landete im Müll und wurde in Ermangelung eines echten Weichkäse, durch ein großzügiges Stück originalen köstlichen Raclette-Käse ersetzt, den ich am vergangenen Schweizer Nationalferertag in der Schweizer Botschaft gegen viele gute Worte und viele große Scheine ergattern durfte. Wie dieser dann im Ofen langsam schmolz und blubberte und röstete … das war köstlich … mit Gürkchen, Silberzwiebelchen … aaaaaaahhhhhh …. Das ist wirklich Käse. Leider habe ich nur noch ein einziges Kilo im Freezer. Ja, Käse kann man sehr gut einfrieren.

Ich rate also jedem, der einen Ofenkäse genießen möchte, von einem solchen “Ofenkäse” der Marke xyz aus dem Supermarkt ab und empfehle einen guten Rohmilchkäse vom Fachhandel oder vom Käsestand auf dem Wochenmarkt zu kaufen. Dieser kommt dann ins Rohr (im Bayern nennt man ihn deshalb auch “Roorkäsle”), also in den Backofen. Man bekommt zu diesem Zwecke einen guten Camembert im Holzschälchen (6-8 €), den man dann bei 250 Grad für 20 Minuten im Ofen backen kann. Man klappt ihn dann auf, aromatisiert die Creme mit etwas Kirschwasser und löffelt sie mit etwas Brot aus. Das ist ein großer Genuss, so wie ein Käsefondue … quasi als “one man portion”. So ein Ofenkäse ist nicht zu verwechseln, mit einen Backcamembert, der ohne Rinde aber dafür doppelt paniert frittiert wird. Fragen sie Herrn Spueri, oder.

 

 

 

 

 

 

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